
Es ist der berühmteste Romananfang der modernen Literatur. Gregor Samsa erwacht eines Morgens in ein riesiges Ungeziefer verwandelt. Das Mitleid seiner Familie schlägt bald in Entfremdung und Aggression um. Die letzten Anker zur Sphäre des Menschlichen sind das Geigenspiel seiner geliebten Schwester und das erotisch aufgeladene Bild einer Dame im Pelz. Samsas Tod ist am Ende eine Erlösung für alle.
Manuel Gerst bringt Kafkas berühmte Erzählung als Happening aus der Event-Industrie auf die Bühne. Referenzen zu Junggesellen-Abschieden treffen auf Aktionskunst und Destruction-Art. Im Spannungsfeld zwischen Versehrtheit und Unversehrtheit wird hier Kafkas Parabel als Geschichte über Behinderung gelesen. Die Aggression gegenüber dem deformierten Anderen aus der Erzählung wird auf der Bühne gegen das Objekt gerichtet. Am Ende ist es egal, welche Position das Publikum einnimmt – die Delle bleibt die gleiche. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Apfel.
- Premiere
- 16.11.2023, Ballhaus Ost Berlin
- Dauer
- 60 Minuten
- Sprache
- keine Lautsprache, dt. und engl. ÜT
- Konzept, Regie
- Manuel Gerst
- Dramaturgie
- Matthias Meppelink
- Künstl. Mitarbeit, Musik
- Mark Schröppel
- Produktionsleitung
- ehrliche arbeit
Eine Produktion von Rahimi+Gerst GbR in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.